Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Das mag sich auch der deutsche Regisseur Roland Emmerich gedacht haben, als er mit dem SciFi-Action-Reißer „Universal Soldier“ 1992 seinen ersten Hollywood-Film realisierte und damit eine höchst erfolgreiche Karriere im Zentrum der globalen Filmindustrie startete. Denn zuvor war Emmerich, in Stuttgart geboren und in Sindelfingen aufgewachsen, in seinem Heimatland nicht ernst genommen, sogar verlacht worden. Als das „Spielbergle aus Sindelfingen“ titulierte man ihn – weil er statt typisch deutscher, verkopfter und wenig massentauglicher Ware lieber große Blockbuster nach amerikanischen Vorbildern wie Steven Spielberg machen wollte: Science Fiction, Action, großes Entertainment mit vielen Schauwerten. Also zog er in die Neue Welt, und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Emmerich punktete mit Effizienz, Kostendisziplin und an der Kinokasse gut verwertbaren Ideen. Nach dem ersten Achtungserfolg „Universal Soldier“ legte er 1994 mit einem Epos nach, das ambitionierter und größer war: „Stargate“. Dieser SciFi-Fantasy-Actionfilm wurde ein globaler Erfolg, der bis heute eine große Fangemeinde hat und mehrere langjährige TV-Serienableger nach sich zog. Das Drehbuch zu „Stargate“ verfasste Emmerich mit US-Produzent und Autor Dean Devlin. Die Grundprämisse: Was wäre, wenn die Götter des alten Ägypten in Wahrheit Aliens gewesen wären? Und was wäre, wenn sie Artefakte mit ungeahnten, fantastischen Funktionen hinterlassen hätten? Darunter ein Portal – das Stargate – durch das man nur hindurchgehen muss, um in eine fremde, Lichtjahre entfernte Welt zu gelangen. Sie griffen dabei (wissenschaftlich nicht belegbare) Spekulationen auf, die beispielsweise durch Erich von Däniken seit den 1960ern propagiert wurden: Dass außerirdische Besucher die Frühgeschichte der Menschheit beeinflussten. Im Film durchschreitet der junge, vom älteren Fachpublikum belächelte Ägyptologe Dr. Daniel Jackson (James Spader) mit einer US-Militäreinheit unter dem Kommando von Colonel Jack O’Neil (Kurt Russell) das geheimnisvolle kreisrunde Sternentor. Dieses wurde bereits in den 1920ern bei Ausgrabungen in Ägypten gefunden und seither unter höchster Geheimhaltung von Experten untersucht. Am anderen Ende entdecken Jackson und O’Neil eine Wüstenwelt, in der viele Gefahren und Abenteuer warten. Für rund 55 Millionen Dollar beim Studio MGM produziert, startete „Stargate“ im Oktober 1994 in den US-Kinos und wurde in den Monaten danach ein globaler Hit mit einem Einspielergebnis von rund 200 Millionen Dollar. Neben der spannenden Inszenierung und überzeugenden Spezialeffekten trug auch die imposante Filmmusik (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article6ab3c0ba174ceb992b6ebdcb/filmmusik-von-metropolis-zu-hans-zimmer-wie-der-klassische-hollywood-sound-entstand.html) von David Arnold (der wenig später in der James-Bond-Reihe (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article253553420/Connerys-langer-Schatten-verfolgte-ihn-aber-Roger-Moore-nahm-es-mit-Humor.html) erfolgreich in die Fußstapfen von Bond-Altmeister John Barry trat) zum Erfolg des Films bei. Doch das war noch lange nicht das Ende der „Stargate“-Erfolgsgeschichte. Zwar wurden keine Sequels fürs Kino produziert, wie es Emmerich und Devlin ursprünglich geplant hatten, aber stattdessen entwickelte sich der Stoff zu einem langjährigen TV-Hit – wenn auch ohne kreative Beteiligung von Emmerich und Devlin, die darüber wenig begeistert waren. 1997 startete beim US-Sender Showtime die Serie „Stargate SG-1“. Die Grundidee des Films wurde dabei übernommen und weitergesponnen, wobei die Hauptrollen neu besetzt wurden. Aus Kurt Russells Colonel O’Neil wurde Richard Dean Andersons Colonel Jack O’Neill, nun mit zwei L geschrieben. Anderson war dem TV-Publikum bereits bestens als Serienheld MacGyver (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article6a2aa8c8d5e382c003a7b790/macgyver-diese-ungewoehnliche-idee-machte-die-80er-serie-weltweit-zum-kult.html) bekannt. Den Wissenschaftler Daniel Jackson spielte nun Michael Shanks. Zusammen mit Jackson, der Astrophysikerin Samantha Carter (Amanda Tapping) und dem außerirdischen Krieger Teal’c (Christopher Judge) bildete O’Neill das Team SG-1. Von einer geheimen Militärbasis im Cheyenne Mountain in Colorado aus operierend, startete das Team durch das Sternentor zu fremden Planeten. Insgesamt entstanden bis 2007 zehn Staffeln mit 214 Episoden. Und weitere Spin-Offs kamen hinzu, darunter ab 2004 „Stargate Atlantis“, das fünf Staffeln lang lief, und „Stargate Universe“ ab 2009, das zwei Staffeln umfasste. Aktuell plant Amazon Prime einen weiteren Serienableger. An diesem sollen Emmerich und Devlin nun auch wieder beteiligt sein. Und dass in den 1990ern aus den „Stargate“-Kino-Fortsetzungen zum Kummer von Emmerich und Devlin nichts wurde, erwies sich im Nachhinein als Glücksfall. Denn anstatt „nur“ Sequels zu drehen, die wie so viele Film-Fortsetzungen womöglich nicht den Charme des Originals erreicht hätten, taten sich die beiden Filmemacher quasi „gezwungenermaßen“ für eine Produktion zusammen, die 1996 einen sehr viel größeren weltweiten Hype als „Stargate“ auslösen sollte. Wer zuletzt lacht. Bei diesem globalen Mega-Hit handelte es sich um „Independence Day“. Doch das ist eine andere Geschichte, hier (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article253332008/Independence-Day-Mit-seinem-Alien-Kawumm-setzte-Emmerich-neue-Blockbuster-Massstaebe.html) bei WELTGeschichte. Für WELTGeschichte blickt Martin Klemrath (verlinkt auf https://www.welt.de/autor/martin-klemrath/) neben klassischen historischen Themen auch regelmäßig auf popkulturelle Phänomene vergangener Jahrzehnte zurück. Darunter die Entstehung des Urvaters der modernen Blockbuster: „Der weiße Hai“ (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article250203028/Der-weisse-Hai-Der-wahre-Horror-bei-Spielbergs-Thriller-waren-die-Dreharbeiten.html) .